Landesstiftung Baden-Württemberg Landesjugendring Baden-Württemberg

Hintergrund - Orientierung

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Orientierung im Wertall
Gegenwärtig wird jungen Menschen eine ernsthafte Auseinandersetzung über Werte meist verweigert. Wo die einen mit fixfertigen politischen Ideologien oder mit endgültigen religiösen Wahrheiten aufwarten, schweigen andere sich achselzuckend aus und verschanzen sich hinter der Relativität von Werten in postmodernen, pluralistischen Gesellschaften. Kommunikation findet kaum statt. Erwachsene sind allzu selten Vorbild und Gegenüber; Politik und Wirtschaft überbieten sich gegenseitig in Grenzverletzungen statt im Respekt menschlicher Werte.

Das Konzept der Wertekommunikation eröffnet neue Möglichkeiten, Jugendliche bei ihrer Suche nach Sinn und Orientierung zu unterstützen. Erlebnisorientierte Methoden setzen bei dem an, was den Jugendlichen nah ist. Professionell begleitete, offene Reflexion hilft ihnen, ihren eigenen „ethischen Kompass“ mit den vorhandenen Werte-Landkarten abzugleichen. Praktisches Engagement – zum Beispiel in einem Jugendverband – vermittelt sozialen Rückhalt, Lebenskompetenzen und Befriedigung.

Jenseits des überholten Streits zwischen den Werte-Ideologen des ausgehenden 20.Jh. wird in der Globalisierung klar: Menschliche Gemeinschaften funktionieren nur auf der Basis gemeinsamer Werte; gemeinsame Werte sind das Ergebnis von menschlichem Miteinander. In der soziokulturellen Dynamik der Globalisierung schält sich ein „humaner Konsens“ heraus, eine transkulturelle globale Ethik, zu der besonders junge Menschen Zugang haben:

Die wirklich populären Werke der Weltkultur, die großen, weltweit gesehenen amerikanischen Filme tragen eine allen Völkern verständliche, richtige Moral weiter. Gut und Böse sind dort unter universalistischen Standards richtig geordnet. Der Egoist ist ein Schwein, auch wenn sein Kragen noch so weiß ist. Wahre Liebe verdient, wer gut ist. Da kommt es nicht auf Rassenzugehörigkeit noch auf soziale Schicht an. Freund und Feind verbinden und trennen sich jenseits der traditionellen Kollektive. Alle Menschen dieser Erde können sich auf diese individuierte Moral in einer gemeinsamen Bilderwelt einigen.
(Sybille Tönnies in der taz vom 16.12.2000)

Ob sie nun im traditionellen Gewand daherkommen, wie in der „Erklärung zum Weltethos“ (Weltparlament der Religionen, Chicago 1992), als politisches Papier (Erklärung der Menschenrechte) oder im Lifestyle-Outfit („Respect“ als Basis des Hip-Hop) – die Idee universaler menschlicher Werte gehört inzwischen zum Kernbestand der globalen Gesellschaft. Trotz unterschiedlicher Herleitungen, Begründungen und Interpretationen, über die weiterhin pluralistischer Wettbewerb der Meinungen herrscht, und trotz herzlicher Unverbindlichkeit vor allem in den Marktgesellschaften, kennen alle Menschen das Bedürfnis nach Respekt, nach Gerechtigkeit und Fairness, nach Ehrlichkeit, nach Freiheit, nach partnerschaftlichem Miteinander von Männern und Frauen usw. In unserem Grundgesetz finden diese Werte Ausdruck in den ersten zwanzig (unveräußerlichen) Artikeln.