Nach welchen Werten ich lebeLama Geshe Nawang Tapghe Seite zuletzt aktualisiert am Ich bin ein buddhistischer Mönch und freue mich, zu Ihnen über meine Kultur sprechen zu können. Mit 9 Jahren trat ich ins Kloster Sera in Südindien ein, wo es viele Mönche in meinem Alter gab. Mit ihnen verbrachte ich meine Kindheit. Wir spielten viel, doch wir hatten auch eine strenge Erziehung: wir mussten morgens um 5 Uhr zum Tempel gehen, wo wir die Morgengebete rezitierten, ungefähr 2 Stunden lang. Dann später in unseren Zimmern mussten wir Texte auswendig lernen, danach gingen wir in die Debattierklasse. Mit kurzen Pausen lernten wir bis spät in die Nacht. Nach 16 jährigem Studium legte ich die Geshe Prüfungen ab. Wir sind Menschen und müssen unser Leben mit anderen teilen. Alle geistigen und materiellen Güter haben wir von anderen Menschen erhalten, sei es die Wohnung, die wir bewohnen, den Komfort über den wir uns freuen, die Kleidung oder die Nahrung die wir zu uns nehmen. Aber auch die Fertigkeiten und das Wissen über das wir verfügen, ist uns von anderen gegeben oder mitgeteilt worden. Am wichtigsten ist aber die Liebe, die wir von anderen erfahren haben, ohne die wir nicht hätten existieren können. Auch wenn einige glauben, sie hätten zuwenig Zuwendung in ihrem Leben bekommen, so muss man doch sagen, dass kein Mensch hätte überleben können, wenn er nicht mit Liebe genährt worden wäre. Deshalb kann man sagen, dass unser Glück vollkommen abhängig ist von anderen Menschen. Als Buddhist wurde ich von Anfang an vertraut mit dem Gedanken, dass wir seit anfangloser Zeit im Daseinskreislauf umherwandern und daher mit allen Wesen zu irgendeinem Zeitpunkt eine tiefe Beziehung eingegangen sind. Es ist daher falsch, den Menschen mit unterschiedlichen Gefühlen zu begegnen. Manche Menschen sind für uns Freunde. Anderen begegnen wir mit Gleichgültigkeit oder sogar Feindseligkeit. In Wirklichkeit haben wir von allen Menschen zu irgendeinem Zeitpunkt große Güte erfahren, so dass es richtig ist, universelle Dankbarkeit und Verantwortung zu empfinden. Daher ist notwendig, in unserer Gemeinschaft die Entwicklung von Liebe und Mitgefühl zu unterstützen, denn diese essentiellen Werte machen die Menschen zufriedener und damit friedlicher. Wir sollten den ersten Schritt tun, uns um Freundlichkeit bemühen und die Gefühle und Meinung der Anderen respektieren, auch wenn diese anders sind als unsere. Wir haben alle unterschiedliche Meinungen, weil wir unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, aber man sollte diese Unterschiede nicht zu sehr betonen, weil sich die Probleme in der Gemeinschaft dann noch vergrößern. Man muss Kompromisse machen. Wir können versuchen, Menschen die einen schlechten Charakter haben, durch Worte zu ändern. Denn niemand ist durch und durch schlecht. Jede Person, die schlecht handelt hat auch gute Seiten. Umgekehrt ist es genauso. Es gibt niemanden auf der Welt, der 100% gut oder schlecht ist. Wir müssen versuchen, wahre Freundschaften aufzubauen und eine friedvolle Umgebung zu schaffen. So können wir Gewalt in unserer Gesellschaft reduzieren. Das heißt nicht, dass wir nichts sagen oder nichts tun sollen, wenn eine Person große Probleme verursacht. Wir müssen deren Fehlverhalten stoppen und mit der Person über ihr Verhalten sprechen, wenn möglich, auf freundliche Art und Weise. Wenn aber klar wird, dass die Person gewalttätiges Verhalten beibehalten will, so muss man sie mit stärkeren Mitteln stoppen. Nach buddhistischer Ansicht ist es unser Ego, das uns Probleme und Leiden verursacht. Durch Egozentrik entstehen negative Emotionen wie Gier, Hass, Wut, Neid usw. Diese negativen Geisteszustände sind Ursachen für Konflikte. Deshalb sagen wir Buddhisten, dass unsere eigentlichen Feinde in uns selbst sind. Diese inneren Feinde müssen wir bekämpfen. Die inneren Feinde sind immer mit uns, ob wir hier sind, im Flugzeug sitzen oder unter dem Ozean sind. Sie verursachen ein unglückliches Leben. So lange diese negativen Emotionen oder inneren Feinde im Herzen sind - egal welch ein erfolgreicher Geschäftsmann jemand ist, egal welch ein komfortables Leben jemand hat, egal wie viele nette Freunde jemand hat - diese Person wird im täglichen Leben nicht glücklich sein. Wir können viele reiche und erfolgreiche Leute beobachten, die gut aussehen, und gute Jobs haben, aber die nicht zufrieden sind. Sie vermissen etwas, nämlich Friede und Gelassenheit in ihrem Geist. Daher ist es sehr wichtig unsere Haltung gegenüber unseren Mitmenschen zu ändern und uns klar zu machen, dass sie genau wie wir glücklich sein wollen und das sie kein Leid wollen. Wir Buddhisten sagen: jedes fühlende Wesen hat die Buddhanatur: ein Geist der klar und wissend ist. Das bedeutet, dass jeder sich von den negativen Emotionen komplett befreien kann, denn ebenso wie Wolken am Himmel die Sonne verdecken, so verdunkeln negative Emotionen den Geist. Sie sind nicht die eigentliche Natur des Geistes. z.B. sind wir nicht 24 Stunden am Tag ärgerlich, denn Ärger gehört nicht zur Natur des Geistes, er ist deshalb etwas Vorübergehendes. Deshalb ist die Befreiung von Leiden möglich. Das ist sehr wichtig zu wissen. In den buddhistischen Texten steht: ob du in der Zukunft glücklich sein wirst, oder ob du leiden musst, das liegt in deiner Hand. Wenn du etwas Negatives tust, dann wird das Resultat in der Zukunft Leiden sein. Positive Handlungen hinterlassen im Geist positive Anlagen und bringen in der Zukunft Glück. Also wenn wir andere mit Mitgefühl behandeln, ihnen nicht schaden, sondern ihnen helfen glücklich zu sein, ja, dann werden auch wir glücklich. Das wollen wir alle. Weitere Berichte zum Fachtag: Fachtag 2004 |